Stellen Sie sich vor, Sie lernen jemanden kennen. Die Person ist Ihnen sofort sympathisch: eloquent, gut gekleidet, charmant und witzig. Beim nächsten Treffen erkennen Sie sie kaum wieder, ungepflegt, anders gekleidet, ein völlig anderes Auftreten. Sie fragen sich: Kann ich dieser Person vertrauen? Möchte ich sie wiedersehen? Wahrscheinlich nicht.

Und trotzdem treten viele Marken genau so auf: inkonsistent, je nach Kanal und Abteilung kaum wiederzuerkennen. Was im Marketing glänzt, verliert im HR-Kontext seinen Glanz. Was auf der Website versprochen wird, wird im Bewerbungsgespräch nicht eingelöst.

Eine Marke ist mehr als Kommunikation

Solange Markenwerte und Positionierung aus der Marketingabteilung kommen, sind sie oft noch klar und kohärent. Doch eine wirklich starke Marke entfaltet ihre Wirkung an allen Berührungspunkten und das ist längst nicht allein Aufgabe des Marketings.

Besonders HR spielt eine zentrale Rolle: nach innen als Kulturträger und nach aussen als Repräsentant der Arbeitgebermarke. Genau hier liegt oft das Problem. Marketing und HR arbeiten in Silos. Das Ergebnis: Ein Unternehmen präsentiert sich auf seiner Website als modern und innovativ, doch Kandidat:innen erleben im Bewerbungsgespräch eine andere Realität. Noch gefährlicher ist es, nach aussen eine Marke zu versprechen, die intern nicht gelebt wird. Mitarbeitende spüren das. Und sie sprechen darüber auf Kununu, Glassdoor und im eigenen Netzwerk.

Dabei wird oft übersehen: Mitarbeitende, Kandidat:innen, Lieferanten, sie alle sind Träger der Marke.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Technologieunternehmen positioniert sich als Innovationsführer. Die Website ist modern, die Kampagnen sind mutig, der Claim verspricht Aufbruch und Wandel. Doch wer sich bewirbt, erhält wochenlang keine Rückmeldung. Das Bewerbungsgespräch ist wenig insrierend und die Gesprächspartner:innen wirken desinteressiert. Der Onboarding-Prozess ist veraltet und chaotisch.

Was bleibt? Eine Marke, die nicht hält, was sie verspricht. Und ein Talent, das die Geschichte weitererzählt.

Marke ist kein Manual

Branding darf nicht auf ein CD/CI-Manual reduziert werden. Markenwerte müssen geschult, verinnerlicht und in allen Abteilungen verankert werden. Jede Person im Unternehmen sollte verstehen, dass sie Markenbotschafter:in ist und wie sich das im eigenen Verhalten und in der täglichen Arbeit zeigt.

Den Anfang macht die Führungsebene. Ein Unternehmen, das Kundenzentriertheit als Kernwert proklamiert, muss diesen Wert in Entscheidungen, Prozessen und Führungsstil sichtbar machen. Authentizität entsteht nicht durch Kommunikation, sondern durch Haltung.

Was das für HR konkret bedeutet

HR-Verantwortliche sind gut beraten, sich zu fragen, welche Markenelemente für ihre Arbeit zentral sind. Hier sind drei konkrete Ansatzpunkte:

  1. Sprache und Auftreten prüfen Spiegeln Stelleninserate, Absageschreiben und die gesamte Kandidatenkommunikation die Markenwerte wider? Wer Wärme und Menschlichkeit als Werte trägt, sollte das auch in einem standardisierten Absagemail spürbar machen.
  2. Die Candidate Journey als Markenerlebnis gestalten Jeder Schritt im Bewerbungsprozess ist ein Touchpoint. Von der ersten E-Mail bis zum Onboarding, HR hat die Möglichkeit, die Marke erlebbar zu machen oder zu enttäuschen. Eine bewusst gestaltete Candidate Journey ist Markenführung in Reinform.
  3. Den Dialog mit Marketing suchen HR sollte nicht warten, bis Marketing einen Workshop anbietet. Die Initiative kann und sollte, von HR selbst kommen. Ein gemeinsames Verständnis der Markenwerte, regelmässige Abstimmung und geteilte Ziele schaffen die Grundlage für eine konsistente Markenerfahrung.
  4. Mitarbeitende und Marke verbinden Eine Marke entfaltet ihre Wirkung erst dann, wenn die Menschen im Unternehmen verstehen, wofür sie steht, sich mit ihr identifizieren und ihren Beitrag dazu erkennen. HR kann dabei eine zentrale Rolle übernehmen: durch Onboarding, interne Kommunikation, Führungskräfteentwicklung und die aktive Vermittlung der Markenwerte. Ziel ist es, Mitarbeitende nicht nur über die Marke zu informieren, sondern sie zu befähigen, die Marke mitzutragen und im täglichen Handeln erlebbar zu machen. Denn starke Marken werden von Menschen getragen.

Den inhaltlichen Blueprint dafür liefert das Marketing. Die Übersetzung in den HR-Kontext jedoch ist Aufgabe von HR selbst. Genau diese Schnittstelle, strategisch gedacht und konsequent bespielt, ist es, die aus einer Marke eine echte Haltung macht.

Die perfekte Synergie

Für Unternehmen zahlt es sich vielseitig aus, wenn HR und Marketing optimal zusammenarbeiten:

  • Konsistenz schafft Vertrauen
    Ein abgestimmtes Auftreten von HR und Marketing sorgt für ein einheitliches Markenerlebnis nach innen wie nach aussen.
  • Stärkere Talentgewinnung
    Eine glaubwürdige Arbeitgebermarke zieht qualifiziertere Kandidat:innen an und senkt die Cost-per-Hire.
  • Weniger Fluktuation
    Mitarbeitende, die die Markenwerte als authentisch erleben, identifizieren sich stärker mit dem Unternehmen und bleiben länger.
  • Mitarbeitende als Markenbotschafter:innen
    Wer die Marke versteht und lebt, trägt sie automatisch nach aussen, glaubwürdiger als jede Kampagne.
  • Schutz vor Reputationsschäden
    Widersprüchliche Botschaften zwischen Marketing und HR-Erlebnis sind ein unterschätztes Reputationsrisiko, das durch enge Zusammenarbeit vermieden wird.
  • Geschäftlicher Erfolg
    Zufriedene Mitarbeitende führen zu zufriedeneren Kund:innen. Eine starke interne Marke zahlt direkt auf den Unternehmenserfolg ein.

Fazit: Marke geht alle an

Eine starke Marke ist kein Marketingprojekt. Sie ist ein Unternehmensversprechen, das an jedem Touchpoint eingelöst werden muss. HR ist dabei nicht Beifahrer, sondern Mitfahrerin am Steuer. Wer das erkennt und konsequent handelt, schafft nicht nur eine stärkere Arbeitgebermarke, sondern eine stärkere Marke insgesamt.

Bereit, Ihre Marke an allen Schnittstellen stark zu machen?

Wir helfen Unternehmen dabei, ihre Markenidentität von der Strategie bis in die HR-Prozesse zu verankern, konsistent, authentisch und wirkungsvoll. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf und erfahren Sie, wie wir gemeinsam das volle Potenzial Ihrer Marke entfalten können.

Ihr defacto | Team

welcome@defacto-ci.ch


Autorin: Fabienne Lorenz
Marke und Entwicklung Organisation, Digitalisierung, People & Culture